Rezension Amélie Nothomb – Klopf an dein Herz

Rezension Amélie Nothomb – Klopf an dein Herz

Autor: Amélie Nothomb
Titel: Klopf an dein Herz
Herausgeber: Diogenes Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 28. August 2019
Buchlänge: 160 Seiten
ISBN: 978-3-257-07086-6
Preis: HC 20,00€ / eBook 16,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Diane hat es als Kind nicht leicht, denn ihre Mutter lehnt sie ab. Und zwar radikal. Die Schwester hingegen ist Mutters Liebling. Trotzdem entwickelt sich Diane zu einer starken Persönlichkeit. Sie wird Kardiologin und kümmert sich um kranke Herzen, ganz im Sinne des Dichters Alfred de Musset, der sagte: »Klopf an dein Herz, denn da sitzt dein Genie« Doch damit entfesselt sie auch zerstörerische Kräfte.

Quelle: Diogenes Verlag 

 

 

Mit Buchempfehlungen ist das so eine Sache bei mir – Ich bekomme zwar relativ häufig welche, aber leider greife ich dann doch viel zu selten zu eben jenen.
Teils, weil ich schon genug mit meinem eigenen Stapel der Schande (gerne auch SuB genannt) zu kämpfen habe und teils, weil das Interesse im ersten Moment zwar geweckt, aber ebenso schnell auch wieder verflogen ist.
Ein gutes Beispiel hierfür sind die Romane von Amélie Nothomb. Wie oft schon habe ich gehört: Lies ihre Bücher! Egal zu welchem du greifst, du wirst sie lieben!
Und dieses eine Mal hab ich tatsächlich auf diesen Ratschlag gehört und könnte gerade nicht dankbarer sein, zu Klopf an dein Herz gegriffen zu haben. 

Diane wird von ihrer Mutter Marie abgelehnt. Schon als sie zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt, ist der Neid auf ihre Erstgeborene so groß, dass sie weder Liebkosungen noch sonstige verbale Zärtlichkeiten ihr gegenüber zulassen kann. Bei Dianes Bruder hingegen verspürt die Mutter dann doch so etwas wie Liebe und die darauf folgende Tochter Célia wird von Geburt an vergöttert und verhätschelt. 

„Diesmal war sie in einer Art Delirium, einem Liebesrausch. Sie küsste Célia, als ob sie sie fressen wollte. Wie besessen sagte sie immer wieder: ‚Ich liebe, liebe, liebe dich, mein allerliebstes, liebstes Baby!‘ Das war obszön. (…) Der Vater und die Großeltern beobachteten die Szene voller Rührung. Keiner merkte, dass Diane abseits stand, erstarrt und unfähig, sich zu rühren.“ 

Und von diesem Moment an hört die damals 5 jährige Diane auf ein Kind zu sein, zieht aus eigenem Bestreben zu ihren Großeltern und beschließt als junge Erwachsene Kardiologin zu werden, damit sie sich um kranke Herzen kümmern kann.
An der Universität lernt sie die Dozentin Olivia kennen, mit der sie sich auf Anhieb gut versteht. Diane bewundert nicht nur ihren Intellekt, sondern befördert auch selbstlos deren akademische Karriere, bis sie nach einem Besuch bei Olivias Familie feststellen muss, dass deren Leben sie schmerzvoll an ihr eigenes, liebloses Elternhaus erinnert. 

Falls ihr schon einmal leichthin die Aussage mein Herz ist gebrochen verwendet habt, wisst ihr, ebenso wie ich natürlich, dass man sich hier lediglich einer Metapher bedient – Herzen brechen schließlich nicht so einfach.
Aber jetzt, nachdem ich Diane und ihre Geschichte kenne, muss ich meine Meinung revidieren, denn genau dieses, einem Scherbenhaufen ähnelnde Organ, habe ich während des Lesens vor mir liegen sehen.
Und nicht nur das, mein eigenes wurde nicht minder verwundet.   

Klopf an dein Herz ist ein unwahrscheinlich intensives Buch, das die beschriebenen Gefühle über nur 150 Seiten so komplex und eindrücklich transportiert, dass man jedes Wort einsaugen und gleichzeitig wieder ausspucken möchte.
Die Ablehnung, der Neid und die Missgunst sind ebenso deutlich spürbar wie die bedingungslose Liebe und die damit einhergehende Verwundbarkeit der jeweiligen Personen selbst.
Allen voran leidet man natürlich in erster Line mit Diane und fühlt sich erst dann so richtig wohl, wenn sie es tut, aber durch die immer wiederkehrenden toxischen Beziehungen entwickelt man auch so starke Antipathien, die in erdrückenden Hass umschwenken.
Man ertappt sich dabei, wie man ganz plötzlich und ohne spannungsgeladene Actionszenen unbehaglich auf seinem Sessel herumrutscht, weil die Tiefe, die Autorin Amélie Nothomb ihren Figuren einflößt nur so zu ertragen ist.
Das Buch hallt nach, ist definitiv auch keine leichte Kost, aber dafür umso lesenswerter!
Nehmt euch Zeit für diese großartige Autorin, ihr werdet meine Empfehlung sicherlich nicht bereuen.

 

 

Liebe kann heilsam sein.
Liebe kann unser Leben bereichern.
Durch Liebe wächst man, aber zu viel oder gar zu wenig, kann einen Menschen auch erdrücken und zerstören.
Genau das und noch so viel mehr bringt Amélie Nothomb in Klopf an dein Herz auf den Punkt.
Für mich eine Autorin, von der ich in Zukunft mehr lesen möchte – klare Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Amélie Nothomb, geboren 1967 in Kobe, Japan, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. Seit ihrer Jugend schreibt sie wie besessen. In Frankreich stürmt sie mit jedem neuen Buch die Bestsellerlisten und erreicht Millionenauflagen. Ihre Romane erscheinen in 39 Sprachen. Für ›Mit Staunen und Zittern‹ erhielt sie den Grand Prix de l’Académie française. Amélie Nothomb lebt in Paris und Brüssel.

Quelle: Diogenes Verlag  

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