Rezension Anika Decker – Wir von der anderen Seite

Rezension Anika Decker – Wir von der anderen Seite

Autor: Anika Decker
Titel: Wir von der anderen Seite
Herausgeber: Ullstein Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 26.07.2019
Buchlänge: 384 Seiten
ISBN: 9783550200373
Preis: HC 20,00€ / eBook 16,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall. Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.

Quelle: Ullstein Verlag   

 

 

Als ich gelesen habe, dass die Drehbuchautorin von Keinohrhasen, Anika Decker,  ein Buch herausbringt, war ich zugegebenermaßen skeptisch. Der Film mit dessen Humor und Handlung waren gelinde ausgedrückt nicht wirklich mein Fall, aber als ich dann den Klappentext zu Wir von der anderen Seite gelesen habe, musste ich es einfach haben – denn er klingt anders, als alles, was ich vorher so gesehen habe. 

Irgendwas brennt auf meiner Haut, als würde jemand Zigaretten auf mir ausdrücken, falls sich das so anfühlt. Ich blinzle und sehe eine Frau in Weiß mit langem blondem Haar. Möglichkeit 1, das ist eine Ärztin. Möglichkeit 2, ich bin endlich im Himmel und mir ist ein Engel erschienen.

Von einem auf den andren Tag ist die Welt von Drehbuchautorin Rahel Wald zweigeteilt.
Auf der einen Seite leben die sorglosen Menschen. Die, die selbst noch nie im Koma lagen oder je ernsthaft krank waren.
Auf der anderen Seite jedoch, ihrer Seite, leben die Wissenden, die Vorbelasteten mit einem metertiefen Einschnitt in ihrem Leben.
Und nun, nachdem Rahel aus dem künstlichen Koma aufgrund einer schweren Blutvergiftung erwacht ist, treffen beide Seiten aufeinander und versuchen sich zu verbinden.
Doch das ist alles andere als einfach, für alle Beteiligten. 

Bereits nach den ersten Seiten habe ich gespürt, dass diese Geschichte etwas ganz besonders ist und auch etwas, dass etwas besonders mit mir persönlich macht. Nicht im Entferntesten hätte ich mich jemals damit befasst, was es bedeutet, dem Tod gerade nochmal von der Schippe zu springen und vor allem was es bedeutet damit zu Leben.
Doch Anika Decker beschreibt so anschaulich und detailliert, wie sich Hauptprotagonistin  Rahel – abgemagert und schwach – im Krankenhaus, der Reha und dem Leben danach zurechtfindet. Zurechtfinden muss.
Denn zwischen Pinkelpannen und drogenähnlichen Eichhörnchen-Träumen geben sich Rahels Familie und besonders ihr Partner alle Mühe ihr dabei zu helfen, aber es kreiselt dennoch gewaltig, gerade zwischen letzteren. Zudem kann er nicht verstehen, wie Rahel sich selbst nach der Reha noch so oft mit dem schweren Krankheitsverlauf auseinandersetzten kann und ist davon immer öfter genervt, da er doch einfach nur mit ihr glücklich sein will. 

Ich bin mit der humorvollen, selbstkritischen und leicht neurotischen Rahel sehr gerne ein Stück ihres Weges gegangen und habe den lockeren, leichten, aber auch flapsigen Schreibstil der Autorin geliebt.
Es ist ein schwieriges und ernstes Thema, aber man hatte nie das Gefühl, dass es einen zu weit herunterzieht und unter der Last begräbt. Die Tiefschläge, aber auch die Höhen, mit denen Rahel immer wieder zu kämpfen hat sind glaubwürdig, ja geradezu greifbar und verständlich und selbst die Situationskomik wirkte nie überzogen. Man empfindet kein Mitleid mit ihr, egal wie lebensverändernd dieser Einschnitt auch war und Rahel will das auch gar nicht.
Ebenso kommt Wir von der anderen Seite völlig ohne Kitsch und schnulzige Szenen aus und das ist etwas, was ich wirklich sehr zu schätzen weiß. 

 

 

Wir von der anderen Seite ist eine Geschichte für jeden. Für jeden, der Gefühle zulassen kann und verstehen möchte, wie es sich anfühlt, plötzlich nicht mehr hinterherzukommen.
Mit viel Humor und Einfühlungsvermögen hat Anika Decker definitiv einen Volltreffer bei mir gelandet und ich hoffe, dass noch viele mehr dieses Buch lesen werden.
Eine ganz klare Leseempfehlung von mir!

 

 

♥ Vielen Dank an den Ullstein Verlag und NetGalley für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 

Anika Decker, geboren 1975 in Marburg, lebt und arbeitet als Drehbuchautorin und Regisseurin in Berlin. 2007 gelang ihr mit ihrem Drehbuchdebüt Keinohrhasen der Durchbruch, der Film zählt zu den 15 erfolgreichsten deutschen Filmen aller Zeiten. Danach folgte das Drehbuch zu RubbeldieKatz, was auch ein großer Publikumserfolg war. 2015 debütierte Anika Decker als Regisseurin, der Film Traumfrauen nach eigener Vorlage war eine der erfolgreichsten Kinoproduktionen des Jahres. Darauf folgte ihre zweite Regiearbeit High Society, die auf Anhieb auf Platz eins der Kinocharts landete. Wir von der anderen Seite ist Anika Deckers erster Roman.

Quelle: Ullstein Verlag   

 

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