Rezension John Ironmonger – Der Wal und das Ende der Welt

Rezension John Ironmonger – Der Wal und das Ende der Welt

Autor: John Ironmonger
Titel: Der Wal und das Ende der Welt
Herausgeber: Fischer Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 27. März 2019
Buchlänge: 480 Seiten
Titel der Originalausgabe: Not forgetting the Whale
ISBN: 978-3103974270
Preis: HC 22,00€ / eBook 28,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.
John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Welt, in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht?

Quelle: Fischer Verlag   

 

 

Autor John Ironmonger selbst sagt, dass man drei Dinge braucht, um eine guten Roman zu schreiben:
Eine gute Geschichte, gute Charaktere und einen guten Schreibstil.
„Aber ich glaube, es gibt noch ein viertes Element: Ich mag Romane, die meinen Horizont erweitern, die mir etwas Tiefgründiges über die Menschheit erzählen und die mich die Welt mit anderen Augen betrachten lassen.“

Recht hat er allemal damit und letzteres ist für mich oft sogar der wichtigste Punkt. Denn wenn ich ein Buch lese, möchte ich zwar in erster Linie angenehm unterhalten werden, aber wenn mir die Geschichte selbst noch nach dem Beenden tagelang im Kopf herumspukt, dann war es etwas Besonderes. Etwas, dass man nie wirklich vergisst und das bleibt. 

Genauso ging es mir, als ich die letzte Seite von Der Wal und das Ende der Welt gelesen hatte. Zwar empfand ich die Story gerade zu Beginn als etwas langatmig und wusste oft nicht, worauf der Autor eigentlich hinauswollte – aber wenn man Joe Haak und den Bewohnern von St. Piran eine Chance gibt sich zu entfalten, erhält man genau das, was ich anfangs erwähnt habe: etwas Besonderes. 

Zwei merkwürdige Dinge geschehen an einem Spätsommertag an der Küste von Cornwall in dem kleinen Örtchen St. Piran: Der Müllsammler Kenny Kennet sichtet einen Wal und außerdem einen nackten, halb erfrorenen Mann am Strand. Den Verunglückten und orientierungslosen Joe versorgen bald darauf insgesamt vier Bewohner des kleinen Dorfes, den Wal rettet einen Tag später der angespülte Joe selbst.
Denn als das Säugetier hilflos strandet, zögert er keine Sekunde und bringt so gut wie alle 307 Einwohner von St. Piran dazu, den Wal zurück ins Meer zu bugsieren.
Von da an wird Joe von ihnen wie ein lang herbeigesehnter Adoptivsohn behandelt und auch er scheint mit diesem Ort eine neue Heimat gefunden zu haben – entsinnt er sich doch kaum an sein vorheriges Leben. Doch bald kehrt sein Gedächtnis bruchstückhaft zurück und er erinnert sich.
An seinen alten Job als Analyst bei einer Londoner Bank. An die Entwicklung des Algorithmus. Und an den globalen Kollaps, den er prognostiziert hat.
Für Joe fest, dass er zwar nicht die ganze Welt retten kann, aber zumindest das Dorf St. Piran und seine Einwohner. 

Was zählt im Leben? Beruflicher Erfolg? Geld? Materielle Besitztümer? Und wie weit geht der Mensch tatsächlich mit seiner unbändigen Zerstörungswut?
Wenn man Der Wal und das Ende der Welt liest, stellen sich einem genau diese Fragen (und noch viele mehr) und am Beispiel von St. Piran versucht John Ironmonger diese zu erörtern.
Doch nicht mit einem moralisch erhobenem Zeigefinger, sondern auf einfühlsame und fast schon poetische Art und Weise. Themen wie die Erschöpfung unserer natürlichen Ressourcen und der Wandel der Wirtschaft lassen einen nachdenklich zurück und die Gedanken kreisen unwillkürlich darum, wie ich mich in einer solchen Krisensituation reagieren würde.
Meist ist es doch so, dass fiktionale Geschichten immer den gleichen Verlauf haben: Ein Endzeitszenario wird erschaffen, die Menschen drehen durch. Sie beginnen zu plündern und ums eigene Überleben zu kämpfen.
Doch ist unser Verhalten wirklich so vorhersehbar? Wenn es nach John Ironmonger auf jeden Fall nicht. Er verknüpft seine Protagonisten zu einem lebenden und fühlenden Netz aus Menschlichkeit, Liebe und Zusammenhalt und schafft damit etwas Neues und Einfühlsames. Und je länger ich über diese Geschichte nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, wie sehr ich mir doch wünsche, dass es tatsächlich so sein wird. Wenn das unvorhersehbare passiert.
Denn jeder einzelne Mensch kann die Welt ein bisschen schöner machen und das ist ein Gedanke, den ich wirklich gerne in meinem Kopf trage. 

 

 

„Unser Gedächtnis ist also alles, was wir haben, egal wie zerbrechlich es auch ist“

Der Wal und das Ende der Welt ist bewegend, tiefgründig, traurig, witzig, ein wenig schrullig aber immer klug.
Es geht um Güte, das Menschsein und um Freundlichkeit, die wir in uns tragen aber auch verteilen.
Und es ist ein kleiner Schatz, den hoffentlich noch ganz viele mehr am richtigen Ort zur richtigen Zeit lesen werden.
Klare Leseempfehlung. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Fischer Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor

John Ironmonger kennt Cornwall und die ganze Welt. Er wuchs in Nairobi auf und zog im Alter von 17 Jahren mit seinen Eltern in den kleinen englischen Küstenort, aus dem seine Mutter stammte. John promovierte in Zoologie; nach Lehraufträgen wechselte er in die internationale IT-Branche. Schon immer hat er geschrieben; seine Romane wurden in viele Sprachen übersetzt. Inspiriert zu »Der Wal und das Ende der Welt« haben ihn unter anderem die biblische Geschichte von Jonas und dem Walfisch, das Werk des Gesellschaftsphilosophen Thomas Hobbes, Jared Diamonds Sachbuch »Kollaps« und viele andere Quellen der Phantasie und des Zeitgeschehens. John Ironmonger lebt heute in einem kleinen Ort in Cheshire, nicht weit von der Küste. Er ist mit der Zoologin Sue Newnes verheiratet; das Paar hat zwei erwachsene Kinder und zwei kleine Enkel. John Ironmongers Leidenschaft ist die Literatur – und das Reisen auf alle Kontinente.

Quelle: Fischer Verlag

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