Rezension Ava Reed – Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Rezension  Ava Reed – Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Autor: Ava Reed
Titel: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen
Herausgeber: Ueberreuter Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 15. Februar 2019
Buchlänge: 320 Seiten
ISBN: 3764170891
Preis: HC 16,95€ / eBook 14,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Der Abschluss. So viele Dinge, die zu tun sind.
Und danach? Ein Studium? Eine Ausbildung? Reisen?
Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, Panikattacken, Angst vor der Angst. All das ist plötzlich da und führt zu einer Diagnose, die Leni zu zerbrechen droht. Sie weiß, sie muss Hilfe annehmen, aber sie verliert Tag um Tag mehr Hoffnung. Nichts scheint zu funktionieren, keine Therapie, keine Medikation. Bis sie Matti trifft, der ein ganz anderes Päckchen zu tragen hat, und ihn auf eine Reise begleitet, die sie nie antreten wollte …

Quelle: Ueberreuter Verlag

 

 

Oder auch: Der Versuch eine Rezension zu schreiben – Klappe, die sechste.

Ich bin ein Gegensatz auf zwei Beinen, eine Frage ohne Antwort und eine Antwort ohne Frage. 
(Seite 50)

Gute Bücher gibt es viele. Beeindruckende, schöne, traurige oder einfache Bücher, die man mit voller Punktzahl bewertet, aber dennoch bald schon wieder vergessen hat.
Und dann gibt es jene, die schwer im Magen liegen, nicht einfach heruntergeschluckt und verdaut werden können. Bei denen man erst einmal innehält, bevor man die nächste Seite umschlägt. Die, die dich ein klein wenig umbringen, um dich dann wieder zu heilen.
Die, die dich prägen und eine kleine Narbe hinterlassen.
Eben die, die man nie vergisst.
Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen “ ist eines davon. Mir fehlen die Worte um beschreiben zu können, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe, aber ich wusste bereits nach der ersten Seite, das dieses Buch genau wie Die Stille meiner Worte wieder etwas Besonderes ist.

„Ist dein Alltag gerade ein Kamp, Leni?“
Niemand hat es ausgesprochen, auch ich nicht, aber es jetzt zu hören, löst etwas in mir aus. 
„Ja“, antworte ich. Ja, mein Leben gleicht einem Kampf und das wird mir erst klar, nachdem sie es in Worte gefasst hat.
Worte, die all das, was mit mir passiert ist, so gut beschreiben.
(Seite 91)

Leni und ihre beste Freundin Emma stehen kurz vor ihrem Abschluss – ein Meilenstein im Leben, der vieles verändert und neues hervorbringt. Während ihre Mitschüler alle schon wissen, wie es für sie weitergehen soll, ist Leni hingegen noch ziemlich planlos – und etwas beginnt sich in ihr zu verschieben. Es beginnt schleichend, mit vielen Gedanken, doch irgendwann ist Leni nicht mehr in der Lage zur Schule zu gehen oder gar ihr Bett zu verlassen. Übelkeit und Panikattacken halten sie immer öfter zu Hause gefangen und selbst zu Emma verliert sie mehr und mehr den Kontakt bis jeder neue Tag zu einem Kampf wird.
Doch sie weiß, dass es so unmöglich weiter gehen kann und bittet ihre Mutter schließlich, sie zu einem Arzt zu bringen. Und nach etlichen Fehlschlägen erhält Leni dann eine Diagnose, die schwer zu akzeptieren ist: Depression. In einer Therapie soll Leni nun lernen sich ihren Ängsten zu stellen, doch für ihren Kampf aus der Dunkelheit zurück ins Leben gibt es kein Patentrezept. 

Ava ist mit Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen eine Geschichte gelungen, die vieles gibt und noch mehr hinterlassen hat. Und eigentlich sollte dieses Buch in jeder Buchhandlung anfangen zu leuchten sobald jemand in seine Nähe kommt, damit es auch von jedem entdeckt wird – egal ob jung oder alt.

Gewohnt gefühlvoll hat sie wieder einmal Charaktere erschaffen, die bleiben und ich hatte sehr oft das Gefühl, wirklich Schritt für Schritt mit Leni und Matti zu gehen.
Vor allem mit Leni.
Ich war in ihrem Kopf – habe sie verstanden und und mit ihr gelitten.
Dann war sie in meinem Kopf und es hat mich innerlich zerrissen.
Es passiert tatsächlich sehr, sehr selten, dass ich als Leser nicht nur von oben auf eine Geschichte blicke, sondern mittendrin bin. Verstehe. Fühle. Und weine.
Selbst wenn man noch nie mit Panikattacken oder Depressionen zu tun hatte, beschreibt Ava diese Themen so, dass jeder sie versteht und nachvollziehen kann.
Die Botschaft ist einfach, denn es geht um Verständnis und Akzeptanz.
Sich selbst zu finden ist nicht leicht, schon gar nicht für Leni in ihrer persönlichen Dunkelheit. Sie fühlt sich gefangen in einem Labyrinth, aus dem es keinen Ausgang gibt.
Keine Schublade passt, kein Muster scheint genug, denn sie ist anders. Und besonders.

Er fährt sich durch seine Haare, atmet schwer ein. 
„Ich gebe Mum keine Schuld, sie hatte nur das Beste im Sinn. Ich gebe sie mir, weil ich ihr nie gesagt habe, dass ihr Bestes meine Hölle ist.“
(Seite 238)

Ava spricht in diesem Buch ein Thema an, das in der heutigen Zeit leider noch immer totgeschwiegen oder falsch verstanden wird. Lernt man beispielsweise jemanden neu kennen der einem erzählt, dass er an Depressionen leidet, nehmen sehr viele Menschen erstmal Abstand. Will man sich mit so einer Person tatsächlich belasten?
Andererseits schämen sich Betroffene häufig dafür und bringen ihre Krankheit gar nicht erst zur Sprache. Zu tief sitzen die Selbstzweifel, zu groß ist Angst nicht akzeptiert oder gar ernst genommen zu werden.
Doch der Kampf ist nicht ausweglos. Es gibt immer jemanden, der dich so liebt, wie du bist. Der das Beste aus dir herausholt und dich sieht. Dich, mit all deinen Fehlern – manchmal muss man nur ein wenig Geduld haben. Und ich hoffe, dass Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen genau dabei hilft. 

 

 

Eine Geschichte, die Mut macht und Trost spendet.
Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.
Eine Geschichte, die man gelesen haben sollte.
Voller Angst, Trauer, Unsicherheiten, Wut und Dunkelheit. Aber auch voller Hoffnung und Kraft.
Danke Ava, dass du wieder die Worte gefunden hast, die mich nie mehr verlassen.
Du hast das Talent genau diese zu finden und an die richtigen Stellen zu setzten.

 

 

♥ Vielen Dank an den Ueberreuter Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin

Ava Reed wird schon immer von Büchern begleitet. Das Haus ohne etwas zu lesen verlassen? Unvorstellbar. Schließlich entdeckte sie auch das Schreiben und Bloggen (www.avareed.de) für sich und kann sich nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Wenn sie nicht gerade wild in die Tasten tippt, geht sie ihrer Arbeit in einem Verlag nach. Ava Reed lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main.

Quelle: Ueberreuter Verlag

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