Rezension Matthias Morgenroth – I can see U

Rezension  Matthias Morgenroth – I can see U

Autor: Matthias Morgenroth
Titel: I can see U
Herausgeber: Coppenrath Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 01. Februar 2019
Buchlänge: 304 Seiten
ISBN: 3649631903
Preis: HC 16,00€ / eBook 10,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Wir standen am Fenster neben dem Haupteingang und schauten in die Nacht. Wolken zogen über den Mond, die Schatten der Büsche tanzten im bleichen Licht.

Wir dachten alle dasselbe.

„Er ist irgendwo da draußen“, flüsterte ich.

Als Ben neu in die Klasse kommt, ist Marie fasziniert: Ben sieht gut aus, ist immer freundlich und liest ihr geradezu die Wünsche von den Lippen ab. Endlich jemand, der sie wahrnimmt! Doch dann geschehen merkwürdige Dinge: Im Klassenchat kursieren Fake-Bilder von ihr, gut gehütete Geheimnisse ihrer Mitschüler verbreiten sich plötzlich wie ein Lauffeuer; und was ist das für ein „Auftrag“, den der Neue angeblich hat? Langsam beginnt Marie zu ahnen, dass etwas Größeres dahintersteckt …

Quelle: Coppenrath Verlag   

 

 

 

„Kannst du dir vorstellen, wie es sich anfühlt, ein Monster zu sein – und das auch zu bemerken?“, fragte Elli nachdenklich. 
„Es wirklich zu wissen? Zu fühlen, ein Wesen zu sein, das nicht ist wie alle anderen ringsum?“

 

Du bist hässlich. Du bist fett. Du bist dumm. Das sind Sätze, die schmerzen, wenn man sie hört.
Aber wie viel schlimmer ist es, wenn so etwas im Internet steht, wo es jeder lesen kann?
Wie muss es für Betroffene sein, plötzlich ein demütigendes oder gar gefälschtes Foto / Video von sich im WhatsApp Chat oder auf Sozialen Medien zu entdecken?
Laut einer Studie, die 2017 vom Bündnis gegen Cybermobbing durchgeführt wurde, sind bereits über 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche Opfer von solchen Bullying-Attacken.
Gemeine Inhalte verbreiten sich rasant und können quasi jederzeit und überall gespeichert, verändert oder weitergeleitet werden und die gewisse Anonymität führt zu einer niedrigen Hemmschwelle. 

Aber auch die Bezeichnung des gläsernen Menschen ist in unserem digitalisierten Zeitalter längst kein unbekanntes Wort mehr. Welche Vorlieben haben wir? Wo gehen wir am liebsten einkaufen? Was kaufen wir?
Wer schon einmal die perfekt ausgewählten Werbebanner beim surfen entdeckt hat weiß, dass wir immer und überall unseren digitalen Fußabdruck hinterlassen. 

Und genau mit diesen aktuellen Themen beschäftigt sich auch Matthias Morgenroth in I can see U.

Als Ben in der 10. Klasse vor Marie auftaucht, fühlt sie sich sofort zu dem netten und gutaussehenden Neuen hingezogen und kann es kaum glauben, dass auch er echtes Interesse an ihr zu haben scheint.
Nahezu jeden Wunsch liest er ihr von den Lippen ab und selbst der Rest der Klasse ist absolut begeistert von ihm.
Doch dann ereignen sich merkwürdige Dinge: Im Klassenchat kursieren Fake-Bilder von Marie und ihrer besten Freundin, gut gehütete Geheimnisse der Mitschüler verbreiten sich wie Lauffeuer und manche bekommen sogar von einem Lieferdienst Sachen zugestellt, von denen sie kurz zuvor in der Klasse geredet haben.
Hat es etwa was mit der ungewöhnlichen Modernisierung der Schule zu tun oder mit dem „Auftrag“, über den Ben mit dem Schuldirektor heimlich gesprochen hat?
Marie und ihr Freunde werden misstrauisch und kommen dabei etwas Großen auf die Spur, das weit über ihre Vorstellungskraft hinausgeht. 

Matthias Morgenroth hat hier einen spannenden und packenden Jugendthriller geschaffen, der aber auch sehr gut von einem Publikum jenseits der 20 gelesen werden kann.
Durch den flotten und jugendlichen Schreibstil mit den zusätzlich eingefügten E-Mail und Chatverläufen passt er perfekt in unsere heutige Zeit und ich hoffe wirklich, dass viele Leser dieser Zielgruppe sich dadurch angesprochen fühlen und zu diesem Buch greifen werden – denn es ist wichtig!
Kaum ein Kind ab 12 besitzt heutzutage kein Smartphone, doch ich möchte wetten, dass nicht mal die Hälfte davon weiß, wie man richtig damit umgehen sollte. Mangelnde Medienkompetenz und unzureichende Aufklärung führen leider immer wieder zu Problematiken, die man in diesem Alter noch gar nicht abschätzen kann. 

Als Leser merkt  man zwar relativ schnell, dass mit Ben etwas nicht stimmt und auch seine Absichten waren mir bereits nach kurzer Zeit klar, aber um einen hohen Spannungsbogen ging es mir bei I can see U auch gar nicht. Ich fand es einfach wahnsinnig interessant mitzuerleben, wie Marie und ihre Freunde völlig unbedarft in verschiedene Situationen geraten und doch so unterschiedlich reagierten. Immer offensichtlicher wird Bens fremdartiges Verhalten und selbst die rosarote Brille von Marie reicht bald nicht mehr aus um die Augen vor dem zu verschließen, was Ben in Wahrheit ist. 

 

 

Ein gelungenes Jugendbuch mit einer wichtigen Thematik.
Gerade für Teenager eine absolute Leseempfehlung, da für diese Zielgruppe im Bereich der medialen Aufklärung noch einiges getan werden muss. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Coppenrath Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor

Matthias Morgenroth schreibt seit vielen Jahren Bücher für Kinder und Sachbücher für Erwachsene. Darüber hinaus arbeitet er als Reporter und Redakteur für Radio und Fernsehen beim Bayerischen Rundfunk, ist im Redaktionsteam der Zeitschrift „Publik-Forum Extra“, hält Seminare im Bereich Medien-Ethik, macht mit Freunden Straßenmusik und geht gern auf Lesereise. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in München. Sein Kinderbuch „Freunde der Nacht“ wurde mit dem Rattenfänger-Literaturpreis ausgezeichnet.

Quelle: Coppenrath Verlag

 

 

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