Rezension Nikola Huppertz – Mein Leben, mal eben

Rezension Nikola Huppertz – Mein Leben, mal eben

Autor: Nikola Huppertz
Titel: Mein Leben, mal eben
Herausgeber: Coppenrath Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 12. Januar 2017
Buchlänge: 256 Seiten
ISBN: 3649669900
Preis: TB 12,99€ / eBook 9,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Anouk will ihr Leben ändern: Ab sofort wird sie NORMAL, hört Popmusik und spielt Computerspiele. Während sie darauf wartet, dass ihr Steinzeit-Laptop das blöde Game lädt, hämmert sie voller Wut und Witz ihre »Memoiren« in die Tastatur: Über MaMi und Matrix, ihre Mütter; über ihren Rocker-Vater; und über Lore, die neu in der Klasse ist. Außerdem soll Anouk einen Songtext für Moritz schreiben, der aber leider auch dieses Unnormal-Gen hat …
Nikola Huppertz hat eine hinreißende Hommage an das Anderssein verfasst – und eine anrührend starke und zugleich zarte Protagonistin geschaffen, deren Stimme man nicht vergessen wird.

 

 

Die 13-jährige Anouk Vogelsang denkt von sich selbst, dass sie das Unnormal-Gen in sich trägt, denn sie ist so ganz anders als ihre Mitschüler/innen. Die hören nämlich Pop statt Metal, schminken sich, tragen angesagte Klamotten – und haben ganz normale Familien mit Vater und Mutter und nicht zwei Mütter und einen Vater, der lediglich als Samenspender fungierte.
Um sich endlich anzupassen, beschließt Anouk als ersten Schritt ein Computerspiel auf ihrem Steinzeitlaptop zu installieren, über das in ihrer Klasse alle reden. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn der Ladebalken beweg sich keinen Millimeter und so nutzt sie die Zeit des Wartens um ihre Memoiren in Form eines Tagebuchs in die Tastatur zu hämmern.
Doch als Lore und Moritz in ihr Leben und in ihre Klasse treten, merkt Anouk, dass sie nicht die einzige ist, der das Unnormale in den Genen liegt. 

 

 

Damals, mit fünf, sechs Jahren, hab ich keine Sekunde darüber nachgedacht […], dass sie meine Mutter ist, obwohl ich nicht in ihrem Bauch war […], und dass all das überhaupt eine Rolle spielt, wenn nur das Liebhaben stimmt.
(S. 128)

Mein Leben, mal eben war bis dato mein erste Buch der Autorin und auch sonst hatte ich über die Story selbst noch nicht wirklich viel gehört bzw. gelesen.
Dass die Geschichte aber im Tagebuchstil geschrieben ist, hat mich sehr gereizt, denn durch diese Erzählform und der Ich-Perspektive ist man als Leser sehr nah an der Protagonistin und ihrer Gefühlswelt dran. Hinzu kam, dass ich die Thematik Teenager mit homosexuellen Eltern wahnsinnig interessant fand.
Nikola Huppertz fängt mit Worten gekonnt die Liebe und Geborgenheit innerhalb von Anouks Familie ein, macht aber an anderen Stellen auch gleichzeitig ihre Einsamkeit deutlich. Ihr verzweifelter Wunsch, sich mit ihrer neuen Klassenkameradin Lore anzufreunden, hat mich sehr berührt und mir gezeigt, wie schwierig es in der Realität für jemanden in ihrer Situation wirklich sein muss, Freunde zu finden, die nicht hinter dem Rücken über einen tuscheln und unvoreingenommen mit der sexuellen Orientierung der Erziehungsberechtigten umgehen.
Anouk versucht daher, ihre Schwierigkeiten und Probleme zu verarbeiten, indem sie mit den Worten in ihrem Tagebuch spielt: mit To-Do Listen oder sonstigen stichpunktartigen Aufzählungen, Songtexten oder unterschiedlicher Typografie  – und so werden ihre Memoiren auch für uns Leser zu einem Erlebnis.

Die Autorin versucht auch die Sprache so authentisch wie möglich dem Tagebuchstil des Romans anzupassen, hat aber dadurch viele Sätze unklar und schwer verständlich klingen lassen. In Klammern (oftmals sogar in doppelten Klammern) werden Anouks spontane Gedanken eingeschoben, was dazu führt, dass die Sätze unübersichtlich und wirr zu lesen sind. Vielleicht wird gerade das von einem jüngeren Publikum anders aufgefasst, aber meinen Lesefluss hat es stellenweise massiv gestört.

Dennoch enthält Mein Leben mal eben  viel aufklärerisches Potenzial, dass sich einem wichtigen Thema genähert hat, das ich so noch in keinem Jugendbuch gelesen habe.
Viel zu viele Teenager jagen einem Ideal hinterher, dessen erreichen sie aber weder glücklicher noch besser macht – anders sein hingegen wird mit Mobbing und Ausgrenzung bestraft.
Anouk, die sich aufgrund ihrer homosexuellen Eltern als unnormal bezeichnet, ist tiefgründig und ergreifend, aber auch verblüffend humorvoll.

 

 

Don`t be afraid of being different, be afraid of being the same as everyone else.

Eine Geschichte mit viel Tiefe und einem Appell für das Anderssein.
Voller Toleranz und moderner Familiengestaltung könnte das Buch gerade auch an Schulen wirklich sinnvoll eingesetzt werden. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Coppenrath Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin

Nikola Huppertz, geboren 1976 in Mönchengladbach, ist wie Anouk in „Mein Leben, mal eben“ ein großer Heavy-Metal-Fan – obwohl sie eigentlich Violine (und Psychologie) studiert hat. Heute lebt sie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn als freischaffende Autorin in Hannover.

Quelle: Coppenrath Verlag 

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