Rezension Stephen King – Erhebung

Autor: Stephen King
Titel: Erhebung
Herausgeber: Heyne Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 12. November 2018
Buchlänge: 144 Seiten
Titel der Originalausgabe:  Elevation
ISBN: 3453272021
Preis: HC 12,00€ / eBook 9,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Scott nimmt rasend schnell ab. Sein korpulentes Aussehen ändert sich trotzdem nicht. Und noch unheimlicher: Wenn er auf die Waage steigt, zeigt sie jeweils das gleiche Gewicht an, egal wie viel er momentan trägt, ob Kleidung oder gar Hanteln. Scott hat Angst, dass man ihn zum medizinischen Versuchskaninchen macht. Aber er muss es jemand erzählen. Zu Dr. Ellis hat er Vertrauen, aber auch der weiß keinen Rat.

In seiner netten Wohngegend in der Kleinstadt Castle Rock gerät Scott in einen eskalierenden Kleinkrieg. Der Hund der neuen Nachbarn – zwei Lesben – verrichtet sein Geschäft ständig bei ihm im Vorgarten. Die eine Frau ist eigentlich recht freundlich, die andere aber eiskalt. Die beiden haben gerade ein Restaurant eröffnet, von dem sie sich viel erhoffen. Die Einwohner von Castle Rock wollen aber nichts mit Homopaaren zu tun haben, da ist großer Ärger vorprogrammiert. Als Scott endlich kapiert, was Vorurteile in einer Gemeinschaft anrichten, überwindet er den eigenen Groll und tut sich mit den beiden zusammen. Merkwürdige Allianzen, der jährliche Stadtlauf und Scotts mysteriöses Leiden fördern bei sich und anderen eine Menschlichkeit zutage, die zuvor unter einer herzlosen Bequemlichkeit vergraben lag. 

Quelle: Heyne Verlag 

 

 

Scott lebt, getrennt von seiner Frau, in der Kleinstadt Castle Rock, arbeitet von dort aus als Webdesigner, hat eine Katze und gilt mit seinen 113 Kilo als übergewichtig.
So weit, so gewöhnlich.
Doch Scott hat ein Problem: Aus unerfindlichen Gründen reduziert sich sein Gewicht merklich, Tag für Tag, erst langsam und dann in immer größeren Sprüngen.
Zugegeben, das klingt noch nicht wirklich nach einem Schreckenszenario, doch es wäre kein typisches Stephen King Buch, wenn dieses Problem nicht weitere mit sich bringen würde.
Denn Scott wiegt nackt genauso viel wie angezogen, auch wenn er einen Zentner Zement mit auf die Waage stellt. Er wird also nicht dünner, sondern verliert mit voranschreitendem Gewichtsverlust an Bodenhaftung. Und selbst sein Freund, der pensionierte Arzt Bob, ist ratlos. 

 

 

Die Leichtigkeit des Seins

Stephen King – Dieser Name steht für Horror, Grusel, Übernatürliches.
Aber auch für die Vielfältigkeit und den tiefen Einblick in die Abgründe von uns Menschen. Kaum ein anderer Autor den ich kenne schafft es, so überragend Charaktere darzustellen, dass sie in all ihren guten und schlechten Facetten erstrahlen.

Und so lernen wir dieses Mal Scott Carey kennen, der einem das typisch moderne Bild eines Amerikaners mit zu viel Speck auf den Rippen vermittelt. Er lebt in der für King Fans wohl bekanntesten Kleinstadt Castle Rock im Bundesstaat Main, USA und führt dort ein ehr ruhiges Leben.
Bis ihm sein Gewichtsverlust und die in der Inhaltsangabe erwähnte, damit zusammenhängende Besonderheit, immer mehr beschäftigt.
Aber nicht nur fiktive, sondern auch alltägliche Probleme wie Toleranz, Homosexualität, Religion, Mobbing und Vorurteile sind für Scott allgegenwärtig. Doch draus entstehen hier Freundschaften, an die vorher keiner der beteiligten Personen auch nur ansatzweise geglaubt hätte.

Für mich ist Erhebung dadurch definitiv mehr als nur eins von unzählig anderen Büchern des Autors, sondern ein Statement an unsere Gesellschaft.
Auf seine eigene Art macht er uns auf bekannte, aber gerne vergessene Missstände aufmerksam und legt den Finger zwischendurch gern noch etwas tiefer in die Wunde.
Die Länge mit ihren 144 Seiten finde ich persönlich perfekt gewählt, denn trotz der Kürze sind alle Protagonisten hervorragend charakterisiert. Es muss nicht immer eine vollständige Biografie für jeden Nebencharakter existieren, manchmal reicht ein richtig platzierter Satz, und alles ist gesagt.
Auch muss ich zugeben, dass Erhebung die für mich wohl menschlichste Geschichte von Stephen King ist, die ich jemals gelesen habe, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Träne am Ende (oder überhaupt) vergossen zu haben.
Eindrucksvoll beweist er einmal mehr, warum er als einer der größten Schriftsteller unserer Gegenwart bezeichnet wird. Er weiß einfach, wie man Leser emotional berührt, Melancholie verbreitet und spannende Worte zusammenfügt. 

Das mag jetzt alles recht schwärmerisch klingen, aber für mich ist Stephen King, neben Walter Moers, einfach jemand, von dem ich generell alles verschlinge – Und mit Erhebung ist ihm diesmal mehr als eine makellose Novelle gelungen. Lange hat er kein so Horror-freies Buch mehr geschrieben, das nur aufgrund der Figuren so beeindruckend ist.

 

 

Eine kleine Geschichte mit großer Botschaft.
Berührend erzählt und mit einer Prise Übernatürlichen gespickt, kritisiert King hier unser Gesellschaftsdenken. Einfach großartig! Mehr geht auf 144 Seiten nicht.

 

 

♥ Vielen Dank an den Heyne Verlag der Verlagsgruppe Randomhouse für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor 

Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts. Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen King den »National Book Award« für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Mit seiner Frau Tabitha lebt er in Bangor, Maine. Stephen King hat eine Tochter und zwei Söhne.

Zwischen 1966 und 1970 studiert Stephen King Englisch an der Universität von Maine, wo er Tabitha Spruce kennenlernt und ein Jahr später heiratet. Nach seinem Examen arbeitet King in der Stadt Hampton in Maine als Englischlehrer. Mit Nachtschichten als Bügler in einer Wäscherei hält er sich über Wasser. In der wenigen Freizeit schreibt er Kurzgeschichten. Obwohl es ihm hin und wieder gelingt, eine Geschichte zu verkaufen, ist er noch weit davon entfernt, sich sein Einkommen allein durch seine Arbeit als Schriftsteller sichern zu können. Er schreibt mehrere Romane, für die er aber keinen Verlag findet. Er zweifelt an seiner schriftstellerischen Begabung. Später veröffentlicht er diese Romane überarbeitet unter dem Pseudonym Richard Bachman.

In einem gemieteten Wohnwagen beginnt King seinen Roman Carrie zu schreiben. Wie King später verrät, hielt er das Carrie-Manuskript beim Durchlesen für schlecht und beförderte es in den Müll. Seine Frau fischte es heraus und spornte King dazu an, das Buch zu vollenden. 1973 kauft der Verlag Doubleday den Roman. Die Veröffentlichung seines Debüts im Jahr 1974 und dessen erfolgreiche Verfilmung machen Stephen King schlagartig berühmt. Er entschließt sich, den Lehrerberuf aufzugeben und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Wenig später erscheint sein zweiter Roman The Shining – sein erster Roman, der auf der Bestsellerliste erscheint. Mit ebenfalls großem Erfolg veröffentlicht King in den folgenden Jahren weitere Romane und Kurzgeschichtensammlungen. Viele seiner Romane wurden fürs Kino oder das Fernsehen verfilmt; im Jahr 2017 werden gleich zwei große Projekte auf die Leinwand kommen: Der Dunkle Turm und eine Neuverfilmung von ES.

Im Mittelpunkt von Stephen Kings Gesamtwerk steht der siebenbändige Fantasy-Zyklus Der Dunkle Turm um den Revolvermann Roland. King selbst bezeichnet den Dunklen Turm – eine Fusion aus verschiedensten Zeiten, Orten und Geschichten – als sein wichtigstes Werk.

»Die Leute denken, ich sei ein sehr merkwürdiger Mensch. Das ist aber nicht korrekt. Ich habe das Herz eines kleinen Jungen. Es steht in einem Glas auf meinem Schreibtisch« Stephen King über Stephen King

Quelle: Heyne Verlag     

 

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