Rezension Deb Spera – Alligatoren

Autor: Deb Spera
Titel: Alligatoren
Herausgeber: HarperCollins 
Datum der Erstveröffentlichung: 03. September 2018
Buchlänge: 432 Seiten
Titel der Originalausgabe: Alligator
ISBN: 3959672209
Preis: HC 22,00€ / eBook 16,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

 

Seit Stunden belauern sie sich gegenseitig: das Alligatorenweibchen, das seine Jungen beschützen muss, und Gertrude, deren vier Töchter seit Tagen nichts gegessen haben. Ein Schuss fällt, doch er trifft nicht das Reptil – es gibt Schlimmeres als den Hunger. Auch Annie, die Plantagenbesitzerin, hat einen größeren Feind, als sie wahrhaben möchte. Ihren jüngsten Sohn kostete das bereits das Leben. Doch als Oretta, Annies schwarze Haushälterin und in erster Generation von der Sklaverei befreit, Gertrudes kranke neunjährige Tochter bei sich aufnimmt, finden diese drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, zusammen. Denn sie alle haben eins gemeinsam: die unstillbare Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Quelle: HarperColins  

 

 

Branchville, South Carolina im Jahr 1923. Gertrude Pardee lebt mit ihrer Familie in einer Baracke in den Sümpfen von South Carolina. Nach Jahren des Hungerleidens und der ständigen Angst vor ihrem gewalttätigen Ehemann, beschließt sie zusammen mit ihren vier Kindern ins Nachbardorf zu ziehen. Die drei ältesten Töchter sollen dort Gertrudes Bruder auf den Baumwollfeldern zur Hand gehen, während die kranke 6-jährige Tochter Mary zu der farbigen Oretta kommt, die in Heilkünsten sehr versiert ist. Gertrude selbst nimmt eine Stelle als Näherin in der Fabrik von Annie Coles an und kommt sogar in einem kleinen Häuschen unter.
Um ihre letzten Besitztümer aus der familieneigenen Hütte zu holen, bewaffnet sich Gertrude mit einem Gewehr und macht sich auf den Weg durch die Sümpfe, wo sie auf einen Alligator trifft. Doch bevor sie ihn erschießen kann, taucht plötzlich ihr betrunkener Ehemann auf…

 

 

Welche Ironie. Im Danach finde ich das Davor, aber was nützt alles Wissen, wenn man den Krieg und seine Folgen nicht ungeschehen machen kann? Wir müssen in den Trümmern leben.

Das letzte Buch, das mich sowohl sprachlich, als auch inhaltlich richtig beeindruckt hat, liegt schon ein paar Monate zurück. Damals war es „Die Schönheit der Nacht“ von Nina George und ich war schlicht und ergreifend überwältigt von allem. Die Charaktere, die Atmosphäre, die Landschaft, einfach alles war stimmig und überzeugend.
Lange dachte ich, dass man so ein Buch kaum überbieten kann – doch dann kam der Debütroman “Alligatoren“ von Deb Spera.
Und was soll ich sagen? Selbst nach einer Woche ist mein Kopf immer noch in South Carolina und mein Herz bei Gertrude, Oretta und Annie.
Diese drei wundervollen, mutigen und auch mit Fehler behafteten Frauen haben es geschafft, mich komplett zu vereinnahmen, bis ihre Geschichte zu Ende erzählt war.
Es gibt wirklich selten Bücher die so eine Sogwirkung auf mich ausüben und es schaffen mein ganzes Sein in eine andere Zeit zu versetzen. Die damaligen Lebensumstände waren mir plötzlich unheimlich vertraut – ich habe den Geruch der alten Küchen wahrgenommen und die Farm von Annie so deutlich vor meinen Augen gesehen, als wäre ich tatsächlich schon einmal dort gewesen. 

Mit ihrem beindruckend bildhaften Schreibstil nimmt uns Deb Spera mit auf die Reise in die dunkelsten Winkel einer menschlichen Seele, gräbt tiefer und hinterlässt nicht nur bei ihren Protagonisten deutliche Spuren. Man leidet, versteht und hofft mit ihnen und am Ende mischt sich tiefe Trauer mit unendlicher Erleichterung. 

Zwar ist Roman  in den 20er Jahren angesiedelt, hat aber nichts an aktueller Brisanz eingebüßt. Rassismus, Sexismus, Macht und Missbrauch sind an der Tagesordnung und drei Frauen erheben sich beispielhaft gegen diese Diskriminierungen.
Damals wie heute kann ein Kampf für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit nur zusammen, mit vereinten Kräften, stattfinden. 

 

 

“Alligatoren“ von Deb Spera ist etwas ganz Besonderes. Eindrucksvoll und ohne die alltägliche Brutalität zu beschönigen entsteht ein Wortkino, das seinesgleichen sucht.
Ich bin mehr als begeistert und spreche hiermit eine klare Leseempfehlung aus. 

 

 

♥ Vielen Dank an den HarperCollins Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin

Deb Spera wuchs in Louisville, Kentucky, auf, als Tochter von selbst noch sehr jungen Eltern. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei ihrer drei Kinder in Los Angeles. Ihr gehört das TV-Produktionsunternehmen One-Two Punch Productions, das u.a. Serien wie Criminal Minds, Army Wives, Reaper – Ein teuflischer Job, Finding Carter und Aim High – Hohe Ziele stecken produziert. Deb Spera war Finalistin des Montana Literaturpreises und zweimalige Finalistin des Kirkwood Literaturpreises. Ihre Arbeiten wurden in der Online-Zeitschrift Sixfold für Kurzgeschichten und Lyrik, in Garden & Gun, in der Wascana Review und im L.A.Yoga Journal veröffentlicht. Sie ist Co-Autorin des Theaterstücks „On the Road to Kitty Hawk“, das vom Actors Theater Of Louisville aufgeführt wurde. Alligatoren ist ihr erster Roman.

Quelle: HarperCollins  

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