Rezension Christina Dalcher – VOX

Autor: Christina Dalcher
Titel: VOX
Herausgeber: S. FISCHER
Datum der Erstveröffentlichung: 15. August 2018
Buchlänge: 400 Seiten
ISBN: 3103974078
Titel der Originalausgabe: VOX
Preis: HC 20,00€ / Ebook 6,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

 

 

Denk darüber nach, was du tun musst, um frei zu bleiben.
Tja, mehr als zu tun als rein gar nichts, hätte ein guter Anfang sein können.

In Amerika hat eine radikales, unmenschliches Regime die Macht übernommen, das mit einer besonderen Art der Unterdrückung die gesamte weibliche Bevölkerung des Landes unter Kontrolle halten will. Es ist ihnen verboten zu Arbeiten, die schulische Ausbildung besteht weitestgehend aus Hauswirtschaftslehre, Reisen ist ihnen ebenso untersagt wie Fachliteratur und alltägliche Gespräche wurden auf 100 Worte pro Tag beschränkt. Wer dagegen verstößt wird mit schmerzhaften Stromschlägen aus dem am Handgelenk angebrachten Wortzähler bestraft, die je nach der Schwere des Vergehens bis zum Herzstillstand führen können. Gebärdensprache oder schriftliche Kommunikation wird durch strenge Videoüberwachung unterbunden.
Die Wissenschaftlerin Jean McClellan hat es nicht kommen sehen und muss jetzt am eigenen Leib erfahren, wie drastisch sich ihr Familienleben, insbesondere das ihrer kleinen Tochter verändert.

 

 

Zu fragen, warum mein Gehalt auf Patricks Konto geht, hat keinen Zweck; seit letztem Jahr ist mein ganzes Geld dort. Wörter, Pässe, Geld – sogar Kriminelle verfügen über zwei von diesen dreien.

Rund 16.000 Worte gibt der Durchschnitt an Männern und Frauen täglich von sich. Ich allein verbrauche bestimmt schon 150 für Selbstgespräche, ganz zu schweigen von der täglichen Anzahl die ich benötige, um meine Tochter am Morgen aus dem Bett zu locken.
100 Worte am Tag sind verdammt wenig. Verdammt wenig, um Kontakte zu pflegen, seine Gefühle auszudrücken oder Gutenachtgeschichten vorzulesen.
Kurzum, was Christina Dalcher in “VOX“ schildert ist beklemmend, angsteinflößend und scheint dennoch fast so unwahrscheinlich, wie die Präsidentschaftswahl von Donald Trump.
Eindrucksvoll beschreibt sie unter anderem die Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern, denen bereits im Babyalter die Sprache entzogen wird. Die Konditionierungsübungen, die Hauptprotagonistin Jean bei ihrer Tochter anwenden muss um sie „auf Kurs zu bringen“, ließen mich ebenso wütend zurück wie die religiöse Gehirnwäsche, die Lehrer bei männlichen Jugendlichen durchführen, um die Rechtschaffenheit des neuen Gesetzes zu erklären.
Auch die krasse Verhaltensänderung des ältesten Sohnes der Familie durch die ständige Propaganda in der Schule und Freizeit sind erschreckend realistisch dargestellt und machen einem nur allzu bewusst, was Menschen unter bestimmten Bedingungen bereit sind zu glauben und zu tun.

Ab der Mitte des nimmt die Handlung nochmal ordentlich an Fahrt auf, entwickelt sich dabei schon fast zu einem spannenden Thriller, ohne dabei die intensiven Beziehung zwischen Leser und Protagonistin zu beschädigen. Man bleibt durchgängig bei Jean, erhält weiterhin Einblicke in ihre Gedanken und letzteres hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass das Buch zu so einem besonderen Leseerlebnis geworden ist.

 

 

Erschreckend realistisch und extrem fesselnd. Klare Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den FISCHER Verlag für das Rezensionsexemplar! ♥

 

Über die Autorin

Christina Dalcher pendelt zwischen den Südstaaten und Neapel. Die gebürtige Amerikanerin, zu deren Helden Stephen King und Carl Sagan zählen, promovierte an der Georgetown University in Theoretischer Linguistik und forschte über Sprache und Sprachverlust. Ihre Kurzgeschichten und Flash Fiction erschienen weltweit in Magazinen und Zeitschriften, u.a. wurde sie für den Pushcart Prize nominiert. »Vox« ist ihr Debütroman.

Quelle

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