Rezension Brianna Wolfson – Ein zufälliger Irrtum über die Liebe

Autor: Brianna Wolfson
Titel: Ein zufälliger Irrtum über die Liebe
Herausgeber: HarperCollins
Datum der Erstveröffentlichung: 04. Juni 2018
Buchlänge: 304 Seiten
Titel der Originalausgabe: Rosie Coloured Glasses
ISBN: 3959671334
Preis: Broschiert 15,00€ / eBook 10,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Am liebsten betrachtet die elfjährige Willow die Welt durch ihre lilafarbene Brille. Denn in Lila sieht alles nicht mehr so traurig aus. Den Trick hat das kleine Mädchen von ihrer Mutter Rosie gelernt, die genauso verrückt, tollpatschig und unangepasst ist wie ihre Tochter. Doch wenn Rosie das Rezept gegen Traurigkeit kennt, warum sieht Willow sie dann immer häufiger mit Tränen in den Augen?

 

 

Seit der Scheidung ihrer Eltern leben die 11-jährige Willow und ihr kleiner Bruder Asher abwechselnd bei ihrer Mutter Rosie und ihrem Vater Rex. Die Tage bei Rosie genießt Willow in vollen Zügen, die Zeit mit Rex gestaltet sich hingegen ehr als schwierig, da strenge Regeln den Alltag beherrschen und der Umgangston er rau als liebevoll ist. Nie nimmt er sie in den Arm oder scheint sich für ihre Gefühle und sie selbst als Person zu interessieren.
Ihre Mutter ist das exakte Gegenteil. Genauso verrückt und unangepasst wie ihre Tochter lebt sie ihr Leben ohne Verzicht und Regeln. Doch hinter dieser scheinbar glücklichen Maske fällt Rosie immer wieder in Depressionen zurück und ihr Tablettenkonsum ist längst außer Kontrolle geraten.

 

 

Ich bin mir nicht sicher, ob mir dieses Buch so in der Seele weh getan hat, weil ich selbst eine Tochter habe, die ich wie Rosie über alles liebe, oder ob es explizit die Worte sind, die diese Geschichte so besonders gemacht haben. Vielleicht war es auch der Klappentext, der auf einen ganz anderen Inhalt schließen ließ. Was es auch war, “Ein zufälliger Irrtum über die Liebe“ ging mir bis ins Mark und hat eine kleine Wunde in meinem Herzen zurückgelassen.

Aus wechselnder Sichtweise und auf verschiedenen Zeitebenen schildert die Autorin das Leben der Familie Thrope. Vom Kennenlernen der Eltern, über den Heiratsantrag, der Schwangerschaft und der Geburt bis hin zur Scheidung, die für Willow immer noch schwer nachvollziehbar ist.
Man lernt den stets korrekten Rex und seine lebenslustige und verrückte Rosie sehr gut als Elternteile, aber auch als Partner kennen und die Spannungen untereinander sind so greifbar, selbst wenn man noch nicht versteht warum. Sicher scheinen beide so Gegensätzlich wie es nur irgend möglich, aber dennoch sind sie gerade daran in der Vergangenheit gewachsen und ihre Liebe ist zu etwas besonderem geworden.
Doch bald steigt man hinter das Geheimnis von Rosies übersprudelnder Persönlichkeit: Sie ist manisch-depressiv und betäubt ihre Gefühle immer öfter mit Medikamenten. Ihre Art und Weise die Welt zu umarmen, das Leben jederzeit zu 100 Prozent auszukosten und ihre Kinder dabei bedingungslos zu lieben fordert all ihre Energie. Der Akku ist leer, das Licht weicht den Schatten und eine Zeit der Angstzustände und Apathie beginnt.
Dabei hat man durch Brianna Wolfsons sensiblen aber auch nachdrücklichen Schreibstil das Gefühl alles hautnah mitzuerleben. Ich konnte es förmlich spüren wie es in einem Menschen aussieht, dem einfach die Kraft ausgeht das Leben zu umarmen, auch wenn er dieses sonst immer innig geliebt hat.
Auch die emotionale Sichtweise und das Chaos, das in Willow herrscht, fand ich ihrem Alter entsprechend sehr glaubhaft beschrieben und ich musste wirklich oft an diesen Stellen das Buch weglegen und tief durchatmen. Mir ging das ganze unendlich nahe und es hat mir fast das Herz zerrissen wie berührend Willow ihre Gedanken zum Ausdruck bringt.

Auch wenn ich Rosies Verhalten gegenüber stellenweise nur mit Abneigung begegnen konnte weiß ich, dass sie alles nur aus Liebe getan hat. Aus Liebe zu ihren Kindern und ein Stück weit auch aus Liebe zu ihrem Mann. Es ist einfach nur erschreckend und grausam was die Psyche aus einem Menschen und seiner Familie macht und wie unwissend und intolerant das nähere Umfeld doch manchmal darauf reagiert.
Selbst wenn das Leben oft schwer scheint und es kaum auszuhalten ist mit seinen Gefühlen umzugehen, hoffe ich, dass nie jemand diese Situation durchleben muss. Es kann nur die Hölle sein hilflos dabei zuzusehen, wie der Lebensmut nach und nach einen geliebten Menschen verlässt.

 

 

Ein Buch, das mich tief im Herzen berührt und sich dort auch direkt eingenistet hat.
Eine klare Leseempfehlung!

 

 

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank an HarperCollins!

 

 

Über die Autorin

Quelle

Brianna Wolfson stammt gebürtig aus New York und lebt und arbeitet mittlerweile in San Francisco. Ihre Karriere als Schriftstellerin begann sie bei dem renommierten New Yorker Autoren-Netzwerk „The Moth“. Ihre eigenen Erfahrungen bezüglich komplexer Familienstrukturen dienen ihr als Inspiration. „Ein zufälliger Irrtum über die Liebe“ ist ihr erster Roman.

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